29.7. bis 5.8. 2017 – Greifswald/Ostsee

ZWAR-Törn | 29.7. bis 5.8. 2017 – Greifswald/Ostsee
Auf dem Platt-Segler „Vertrouwen“

Skipper: Joachim Böhle & Frank Reinemann | Text: Hotte Jungbluth

Sich regen bringt bekanntlich Segen.
Doch gilt die Weisheit auch bei Regen?
…denn Regen reinigt unser Deck,
doch nicht die gute Laune weg,
denn als es heißt: „Die Leinen los!“ –
und: „Fender rein!“ – ist die Freude groß.
Ja endlich regt sich uns´re Crew
und rutscht herum – und packt voll zu –
denn jetzt geht´s los, zum neuen Törn –
na klar, das haben alle görn,
und schauen ganz verwegen
dem großen Abenteu´r entgegen.

So stehn wir da und schau´n und schau´n
vom Heck zum Bug auf´s Nass. „Vertrouwen“
heißt unser platter Einmast-Segler.
Der Skipper drückt den Motorregler,
der Kai zieht sich vom Boot zurück.
„Mast- und Schotbruch! Seglerglück!“
…ruft ein Freund von Land aus zu.
„Seemannsdank!“ – schon kehrt die Ruh
wieder in die MannFrauschaft.
Wir gleiten – slow – mit wenig Kraft
vorbei an Windjammer und Yachten
und können es jetzt kaum erwarten,
endlich auf das Meer zu gleiten,
über frische Wellen reiten –
und auf das Kommando warten:
„Segel setzen!“ – Der Törn kann starten!

Regenhosen! Regenjacken!
Füße in die Stiefel packen!
Alle sind drauf eingestellt,
auf das Nass vom Himmelszelt.
Doch – schon reißt der Himmel auf.
Nun, auch das nimmt man in Kauf.
Hat der Regen keine Lust mehr,
kommt Sonnencreme für die Brust her,
natürlich auch für das Gesicht –
nein – schönes Wetter stört uns nicht.
Der Wind nimmt zu, das Segel steht,
die Fock wird schleunigst hochgedreht,
der Bug freut sich über heit´re Wellen,
die ihn umspielen, und über die schnellen,
die ihn von achtern überholen…
… naja, ein Schkipp mit schnellen Sohlen
ist unser alter Lastkahn nicht –
gemütlich schleicht er durch die Gischt,
denn erstes Gebot heißt: Urlaub machen!
Singen, Saufen, Spachteln, Lachen,
im Sonnenschein an Deck rumhängen,
bei Möwenschrei und „Moses-Gesängen“ –
Ja, so woll´n wir den Törn gestalten!
Ja, so kann man es gut aushalten!

Im ersten Hafen – Anlegen mit Staunen!
Durch Crew und Zuschauer geht ein Raunen.
Ja, die Skipper zeigen´s allen,
und allen hat es gut gefallen,
wie sie die zwanzig Meter „Yacht“
ohne Geschrei top festgemacht.
Ins Stromkabel kommt schnell ein Knoten,
zum Glück ist das ja nicht verboten,
denn jeder kluge Segler weiß:
„Knoten im Kabel, halber Preis!“
Der Abend findet achtern statt,
Anleger gibt es mehr als satt,
und nachts klingt durch die „Segler-Arche“
aus allen Kojen laut Geschnarche.
Am nächsten Morgen, mal Sonne mal Regen,
Leinen los und´s Schiff bewegen.
Bevor wir allerdings aufbrechen,
heißt es: Beim Hafenmeister blechen!
Mal isset preiswert. Mal ist isset teuer.
Vergisset – auf ins Abenteuer.

Von Stahlbrode nach Stralsund –
Die See ganz still, die Mannschaft bunt
durcheinander gewürfelt an Deck
von Mittschiff bis Bug, der Stüermann am Heck
ruft; „Laßt uns den Tag mit Gerstensaft taufen…
…und schon sind se alle wieder am saufen.
Jaja, so ´ne Woche mit Segeltagen
ist manchmal gar nicht so leicht zu ertragen.

Die Crew: Halb Männer und halb Damen,
gespickt mit „fabelhaften“ Namen,
wie „Heidi“ – und dazu der „Peter“-
und „Katharina“- (ohne Russenanbeter).
Auch „Carmen ist mit von der Partie.
Das klingt schon wie in der Parodie:
„Schöne Carmen in den schönen warmen
Nächten, da vergaß ich, dass du Heidi bist…“
(Niemand weiß, wer von den beiden am meisten liest.)
Hinzu kommt „Larissa,“ unbemannt,
doch bestens bekannt auf´m Arbeitsamt.
Nicht zuletzt die „Heike“ mit dem schnellen Klick
und dem fotografischen Superblick!
Nun kommen die Skipper, der Frank und der Jochen.
Der eine liebt Essen, der andere Kochen.
Ein tolles Team! In allen Lagen!
Hier muss man mal ganz herzlich „Danke“ sagen!
Dann ist da noch „Günther“ – zwischen Spültuch und Ruder,
und „Hotte“ der singt – von Klabautermann und Luder.

Die Hafenkulisse, ein tolles Rundum!
Sonnenschein – man kommt nicht drumrum
zu shoppen, zu gucken, Museum besuchen,
Eis essen – Kaffee – und noch´n Stück Kuchen.
Dann kommt der Abend, die Nacht bricht herein.
Hafenleben bei Lichterschein!
An Deck wird Schwein, Bier und Schnaps gereicht,
bevor der Erste zur Koje schleicht.
Der Tag geht zu Ende, es gähnet die Crew,
bald hat alles Augen und Klappe zu.

Stralsund, deine Seekulisse,
wie ich sie schon heut vermisse!
Dominant, dein Ozeaneum,
Kirchen und Klöster – ich dreh mich zur See um
und frage den Skipper: „Wohin geht die Fahrt?“
„En veerenholb Stonden, semmer en Barth!“
In Barth, am Marktplatz, da „kluckt“ der Dom,
und die kleinen Häuschen sitzen „dromrom.“
Am Hafen stehn Fress-, Trink- und Kirmeshaus.
Es regnet! Is usselig! Wir laufen früh aus!
Wir laufen früh aus, schon sieben- halb acht!
Ein Wetter, oh Mann, wie für Segler gemacht –
doch stop! Schmalspurrinne! Haarscharf navigieren!
Slow! Mit Motor! Man ja nix riskieren!
Die Sonne knallt gnadenlos auf uns´re Stirn,
es brennt Bein und Bauch, es schwitzt das Gehirn.
Der Smutje kocht Gulasch mit Paprikapuder,
das Boot schnappt nach Luft, vom Bug bis zum Ruder.
Wir singen ein Lied, drehn ´n Filmchen davon,
herrliche Bilder – nur leider kein Ton!

So gibt es an Bord immer etwas zu tun.
Der eine spleißt Leinen, der and´re rupft Huhn.
Der Käpt´n fragt wegen ´nem Liegeplatz nach –
Alles klar! – Wir fahren nach Lauterbach.

Ein Abend zum träumen! – Wir werden umschwärmt
von Mücken-Vampirchen unser Blut aufgewärmt.
Die Plagegeister lieben wohl
unsere blutleeren Adern – voll Alkohol.
Die Abendspeis
heißt Huhn auf Reis.
In der Plicht gibt es Rock für alle Ohren,
und kein Tröpfchen Gin geht uns verloren.
Die Nachtmusik: Bootwandschaben am Kai.
Fast alles liegt wach. Schwerhörige sind nicht dabei!
Am Morgen klopft Regen an Bullauge und Deck –
Wir frühstücken länger. Gleich simmer weg!
Von wegen! Der Seewetter-Wetterbericht
sagt klipp und klar: Dat jeht heute nicht,
denn Windstärken von sechs bis acht,
sind nix für unsere „Oldtimer-Yacht.“
Bedröppeltes Boot, bedröppelte Minen,
graue Wolken (nur von oben sonnenbeschienen)
von unten weinend – die Welt klitschenass –
ganz ehrlich, das bringt keinen Segelspaß.

Hinzu kommt, die Duschen im Hafen sind platt-
und vom Käpt´n, dass er heut „Rücken“ hat.
Der „Moses“ hat Klätschauge, weil´s Bullauge zieht,
ein geklauter Tag, wo fast nix geschieht.
Die eine Matrosin frisst Liebesschmerz-Bücher,
die and´re schwenkt Spül-, Putz- und Trockentücher.
Die Herren stehen am Ruder Spalier,
´nen Klaren im Blick, in den Händen das Bier.
Der Smutje kocht Reste für´s Restefest,
denn morgen bekommt unser Törn seinen Rest.
Ja morgen da heißt es, ob Sturm oder Regen:
Egal wie es kommt, Richtung Heimat bewegen!

Ab sechs in der Früh kommt Leben ins Boot –
alle sausen zum Lokus, dat Papier is so joot…
…im Hafen – Recycling aus DDR-Zeiten,
kann einer Crew einen heiteren Morgen bereiten.
Reichhaltig das Frühstück, alles muss weg,
Eier und Käse und Blutwurst und Speck.
Tisch abräumen – Spülen – Kamera an,
hoffen, dass man heut doch noch drehen kann,
denn ein Video mit allen Damen und Herrn
an Bord – zur Erinnerung – hätte jeder gern.
Da lacht uns die Sonne ganz frech und laut aus:
Vergiß es, bei dem Wind wird wieder nix draus!

Wir haben Vertrauen zu uns´rer VERTROUWEN,
erst recht wenn die Wellen übers Ruder hauen,
denn das ist das Bild,von dem Segler gern träumen,
wenn Gischtschäume über den Steuermann schäumen.

Mit heiteren Wellen und Sturmgebraus
begleitet die See uns ganz fröhlich nach Haus.
Noch einmal warten, bis die Brücke aufmacht.
Noch einmal warten auf die letzte Nacht.
Noch einmal mit „allemann“ Essen gehen.
Noch einmal am Morgen bei der Dusche ansteh´n…
…nochmal alle drücken – und dann heißt es: “Tschüss! –

… bis zum nächstes Mal –
oder zwischendurch nochmal –
oder spätestens bis…!“

 

Ein Gedanke zu „29.7. bis 5.8. 2017 – Greifswald/Ostsee“

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